Freitag, 5. August 2011

Neues Sommerprojekt - im Tiefschnee ;-)

Das ist mal eine bemerkenswerte Erfahrung: Am bislang schwülsten Tag des Jahres 2011 habe ich mit den ersten Zeilen eines neuen kleinen Romans angefangen, der im tiefsten Winter spielt ...

Da "Wind und Feuer" jetzt erstmal gut und trocken beim Verlag liegt (und angesichts der Sommerpause dort bestimmt auch noch ein Weilchen dösen wird), konnte ich mir für die letzten zwei Monate dieses Jahres, die ich zum Schreiben haben werde, ein neues Projekt suchen - d.h., ich konnte eines aufgreifen, was schon seit einer Weile angedacht ist. Der Verlag ist klein und sehr, sehr freundlich, schon die Vorbesprechungen haben großen Spaß gemacht. Es ist ein ganz neues Gefühl, einmal mit einem so überschaubaren Unternehmen zu tun zu haben und nicht mit einem (wenn auch durchaus netten) Giganten wie Heyne / Randomhouse. Ich glaube, ich werde in der nächsten Zeit verstärkt auch danach schauen, solche neuen Dinge auszuprobieren. Es ist spannend, und ich denke, für die Weiterentwicklung auch notwendig.

Ich freue mich also sehr über dieses neue Projekt und fühle mich gleichzeitig ziemlich unter Druck. Erstens ist die Zeit so knapp - bis Ende September, maximal Anfang Oktober müsste ich schon 200 Seiten hinbekommen, viel länger soll "der Neue" auch nicht werden. Zweitens ist es gerade diese neue Kürze, die nicht ganz einfach zu handhaben ist, wenn man ein verträumter Bildermaler ist wie Eure Lilach ;-) Es ist eigentlich eine positive Herausforderung - ich bin schon ganz gespannt darauf, wirklich dichte Szenen anzulegen und alles immer noch mehr zu konzentrieren -  aber ich fürchte mich auch davor. Dass es schief geht, natürlich. Und es ist auch wirklich so, wie Goethe, glaube ich, einmal einem Freund schrieb: "Heute fasse ich mich lang, ich habe keine Zeit" - kurz und prägnant zu schreiben, braucht viel länger, als erst einmal gemütlich vor sich hin zu fabulieren (und dann nachher einzudampfen). Dafür muss man nämlich wissen, worüber man eigentlich in der Hauptsache schreibt; was das Wesentliche der Geschichte ist. Aber das finde ich persönlich meist erst im Lauf der Geschichte selber heraus ... Sie erzählt es mir, so nach und nach. Und nun graue ich mich davor, dass ich diese Geschichte zu sehr unter Druck setzen muss - weil ich unter Druck bin. Und dass ich ihr leises Flüstern vielleicht nicht rechtzeitig verstehen lerne.

Andererseits, es ist ja nicht der Verlag, der mich hetzt, das bin ich selbst bzw. sind die äußeren Umstände. Wenn alles anfangen sollte, sich zu sperren, dann denke ich, dass diese lieben Leute die letzten sein werden, die mich scheuchen. Glücklicherweise kann man kleinere Sachen im Verlagsprogramm ja auch immer leichter unterbringen als längere Romane. Insofern ... Es gibt eine Rettungsleine. Aber ich würde es so sehr gerne schaffen, ohne sie benutzen zu müssen ... Und wenn ich demnächst die Leseprobe hinschicke, sollte die ja auch schon in Ordnung sein und nicht im Sinne von: Das ist jetzt nur so ungefähr, mache ich nachher alles noch ordentlich ... Sonst platzt das schöne Projekt noch, was mir sehr, sehr leid tun würde.

Worum wird es gehen? Der neue Roman, der hiermit den zugegeben seltsamen Codenamen "Icicle" bekommt, wird meine zweite Märchenadaption, aber wohl deutlich freier als der "Schwan" - und auch nicht als All Ager angelegt. Das wird ein Erwachsenenbuch, so viel steht schon mal fest. Und auch keine Fantasy, jedenfalls nicht im üblichen Sinn. Obwohl man natürlich bei einer Märchengrundlage die eine oder andere "magische Komponente" kaum wird weglassen können ... Nun, das werdet Ihr dann schon sehen ;-) Hauptfigur ist diesmal wieder eine Frau - bei "Wind und Feuer" war es ein Junge - und zeitlich geht es, vom "Schwänchen" aus gesehen, noch ein wenig nach rückwärts. Das zugrunde liegende Märchen ist eins, dessen Primäraussage ich ganz abscheulich finde und dementsprechend in eine neue Richtung weiterzuentwickeln gedenke - Ihr könnt ja mal raten, welches es ist ;-) Die Motive und unterschwelligen Bedeutungen sind allerdings sehr, sehr schön und klassisch. Ich hoffe, ich kann ihnen gerecht werden.

Kramt also die alten Märchenbücher schon mal wieder raus - das ist sowieso eine gute Idee, oder nicht? Wundert und schaudert Euch ein bisschen in den Sommerferien, wie damals als Kind. Ich werd's bestimmt tun!

Auf bald diesmal -
Eure
Lilach