Donnerstag, 16. Juni 2011

Schreibjournal 16. Juni 2011: der große Abscheu, Phase 1

Nun ist es wieder soweit: "Wind und Feuer" liegt stumm auf meinem Schreibtisch, und allein der Gedanke, es anzufassen und weiter zu schreiben, widert mich an. Ach, muss das denn wirklich jedesmal so sein? Immer wieder diese Phasen, in denen man alles einfach nur noch schlecht findet, langweilig, deprimierend und unplausibel? In denen man jeden Satz, jedes einzelne Wort abgrundtief verabscheut? Warum eigentlich?!

Es war wirklich einfacher, als ich noch nur so für mich geschrieben habe. Da konnte ich Schluss machen, wann ich wollte. Alles in die Ecke pfeffern, wenn's mich angeekelt hat. Manchmal, wenn ich es dann Monate später wieder ausgegraben habe, war es dann vielleicht gar nicht mehr so furchtbar schlecht - manchmal schon. Aber ich konnte ja in jedem Fall einfach was Neues anfangen ...

Die Option ist nun dahin, niemand will Bücher, in denen ständig neue Geschichten anfangen und andere nie zu Ende erzählt werden. Ich auch nicht. Aber es ist so furchtbar deprimierend, sich durch Seite um Seite zu ackern und dann beim Wieder-Lesen alles mistig zu finden. Woher kommt das nur? Und wieso breche ich beim Schreiben ständig meine eigenen Regeln, ohne es zu merken? Da gibt es zum Beispiel bestimmte Wörter, die ich eigentlich nicht leiden kann; ich glaube, jemand hat sie mal "Faulheitswörter" genannt, bestimmte Adverbien meistens. Warum tauchen die trotzdem immer wieder auf? Wer schreibt die da eigentlich rein?? Ich kann es ja nicht sein, ich mag sie ja nicht. Irgendein grässlicher Kobold hockt da offenbar in meinem Kopf und tippt und kichert vor sich hin ...

Es muss an der Müdigkeit liegen, diesem endlosen grauen Meer, in dem ich jeden Tag ein bisschen mehr ertrinke. Aber was soll ich machen? Wenn ich die Geschichte nicht erzähle, so gut, wie ich es eben kann, wird es kein anderer tun. Ich habe ihr erlaubt, aus dem großen Geschichtenstrom in meinen Kopf zu sickern, und nun bin ich für sie verantwortlich, ob ich will oder nicht. Es ist wie ein Versprechen, das man der Phantasie gibt; ein Versprechen, das nicht gebrochen werden kann. Die Geschichten wollen erzählt werden. Und deshalb muss man sie erzählen.

Und vielleicht, vielleicht taucht dann doch irgendwann, irgendwo einmal ein einzelner Satz auf, der nicht ausschließlich grauenvoll ist ... ein hübsches Wort, das einen guten Klang mitbringt ... ein Bild, das sich richtig anfühlt. Darauf muss man warten. Denn dann geht es weiter.

Uff!

Als dann -
Lilach