Dienstag, 17. Mai 2011

Norddeutsche oder nordische Motive im "Schwan"

Ich bin jetzt schon so oft danach gefragt wurden, welche norddeutschen oder generell nordischen Sagen, Mythen, Märchen etc. ich denn nun im "Schwan" alles verwendet hätte, dass ich hier versuchen werde, eine kleine Übersichtsliste aufzustellen. Wahrscheinlich fallen mir auf Anhieb nicht alle ein, ich aktualisiere sie dann nach und nach. Etliche habe ich auch verändert, so dass sie für meine Geschichte taugten; oder sie nur hauchzart am Rand gestreift, eine Andeutung von ihnen sozusagen eingefangen und mit auf meine eigene Reise genommen. Von vielen weiß ich so aus dem Kopf auch den genauen Titel nicht mehr. 

Nun, wie dem auch sei, hier kommt, was mir spontan noch einfällt - hoffentlich mit ausreichend Hinweisen, um nachzugooglen, wenn man möchte:

  • Die "wilde Jagd" - ein  sehr alter, ich denke, mittelalterlicher Mythos, den es in vielen Ländern gibt. Kopflose und andere, jedenfalls verfluchte Reiter, die auf dem Sturmwind daher brausen. In den grausameren Versionen reiten sie z.B. auf glühenden Eisenpferden ...
  • Die "wegweisenden Blumen" - bei mir sind sie rot, wegen der Verbindung mit dem roten Pferd (s.u.), in der Originalsage sind sie, glaube ich, gelb. Sie weisen den Weg zu Schätzen.
  • Der "Schlangenkönig auf seinem Schatz" - mehrere Sagen, die ich zusammen gemischt habe. Eigentlich liegt unter dem Schlangenkönig, wenn ich mich richtig erinnere, eine goldene Wiege, kein Schlüssel wie im "Schwan". Ich habe auch tatsächlich eine Zeitlang mit einer solchen winzigen Wiege gearbeitet im Text. Aber sie war mir als Symbol schließlich doch zu arg offensichtlich.
  • Der "Finstre Stern" - Sage von einem mythischen König (ich habe leider vergessen, welchem), den sein Bruder erschlug, der in die Schlei fiel und dort starb und verblutete. An dieser Stelle tanzen die blauen Flämmchen auf dem Wasser, um an ihn zu erinnern. Ich glaube übrigens, diesen Ort gab oder gibt es wirklich in Schleswig-Holstein.
  • Der "böse, eingesperrte Pug" - Pugs oder Pucks sind natürlich ein uraltes und sehr häufiges Motiv aller nordischen Sagen und Märchen. Sie haben noch viele andere Namen, sind im Prinzip aber alles Herdmännchen, denke ich. Alles, was ich über den Pug schreibe, dem Mina begegnet, habe ich aus verschiedenen solcher alten Geschichten zusammengesammelt - das Einsperren mit dem Wagenrad z.B., oder das Verkaufen um weniger, als man selbst bezahlt hat.
  • Das "Teufelspferd" - bei mir ist es rot, ebenfalls eine alte norddeutsche Geschichte. Das Teufelspferd ist so wild, dass niemand es reiten kann, und wenn ich mich richtig erinnere, ist es auch ziemlich gefährlich.
  • Das "König und Holunder"-Motiv - ist ebenfalls mit einem Pferd verbunden. Nach einer Sage wächst an irgendeiner Kirche in Norddeutschland ein Holunder, von dem man sagt: Wenn er so hoch geworden ist, dass man auf einem Pferd aufrecht drunter durch reiten kann, dann wird ein sagenumwobener König zurückkehren, um seine letzte Schlacht um das Land zu schlagen. Nun ja, Holunder sind ja generell sehr beliebte Pflanzen in Märchen und Sagen. 
  • Der "Brutsee" - meiner Meinung nach die traurigste Geschichte. Diesen See, auf dem die ertrunkenen Bräute tanzen sollen, gibt es in Norddeutschland tatsächlich. Ich weiß allerdings nicht, ob es wirklich dieser reale See ist, auf den die Sage sich bezieht.
  • "Taterlock" und "Taterkuhle" - alte Bezeichnungen für Orte, die mit fahrendem Volk in Verbindung gebracht wurden. Im "Taterlock" oder "-loch" lagerten sie; es gibt auch einen Ort namens "Taterkoppel". In der "Taterkuhle" ertränkten sie angeblich ihre Alten, die beim Wandern nicht mehr mithalten konnten. Das plattdeutsche Gedicht im "Schwan", das ich an der zugehörigen Stelle bringe, ist ebenfalls alt und original. Ich habe es nur ein wenig angepasst.
  • Die "verfluchte Tänzerin" - auch Marthes Schicksal ist einer alten Sage entlehnt, in der das aufsässige Mädchen nicht aufhören wollte zu tanzen - und wenn auch der Teufel selbst käme, um es aufzufordern! Natürlich muss es dann zur Strafe in Ewigkeit mit dem Teufel tanzen ...
  • Die "Kielkröpfe" - das ist ein anderes Wort für Wechselbälger, also elfische oder jedenfalls irgendwie übernatürliche Wesen, die gegen die echten Menschenkinder in der Wiege ausgetauscht werden. Als Kielkröpfe sind sie die norddeutsche Variante. Werden sie entdeckt, schwimmen sie wieder davon.
  • Die "Nixen und Ekke Nekkepen" - bei Storm ist Ekke Nekkepen ein Feuermännchen, gewöhnlich aber ein Nix oder ein Meermann, in vielen Sagen auch der König aller Wasserleute. Meine Nixe ist ihm gegenüber allerdings von der emanzipierten Sorte, wie mir scheint ... ;-
  • Die Legende vom "Zigeunerkönig" - kein speziell norddeutsches Motiv, aber eines, das überall sehr verbreitet ist. Es gibt z.B. viele irische Volkslieder, in denen vornehme Damen oder Mädchen dem zerlumpten Zigeuner hinterher laufen, ihre Väter sie dann händeringend suchen - und sie schließlich in Schlössern voller Gold und Silber wiederfinden. Natürlich gibt es auch unter den Fahrenden selbst - einmal unabhängig von allen verklärten Märchen - Legenden, die mit dem Zigeunerkönig zu tun haben. Der allerletzte König der Roma soll sogar ein Grab haben, das man besuchen kann.
So, für heute muss das genug sein. Ich setze die Liste bei Gelegenheit fort.
Als dann -
Lilach